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Donnerstag, 1. Februar 2018

Poesie

Der Januar und der Februar sind für mich die besten Monate um einmal richtig in der Wohnung auszumisten, auszusortieren, wegzuschmeissen und weiterzugeben.

Dabei wird auch vor meinem Puppenkontor nicht halt gemacht und so fiel mir eben bei solch einer Räumungsaktion mein altes Poesiealbum in die Hände.


Und auch ein Poesie-Album-Spruch prangte erst kürzlich an meinem Tischkalender.


Und ein tiefer Gedanke dazu, ob denn heutzutage noch jemand ein Poesie-Album weitergibt, war mit dem Augenrollen meiner Tochter regelrecht bei mir verpufft: 😳 "Mama, es gibt doch Facebook, Instagram, Whats-app, Snapchat." usw. usw.

In der Grundschule hatte unsere Tochter ein Freundebuch, dass sie weitergab. Es ist anders als ein Poesie-Album. Da gab es nur vorgedruckte, bunte Seiten. Wie auf einem Formular wurde nur noch ausgefüllt. Die Lieblingsmusik oder das Lieblingsessen und nicht zu vergessen Handy- Nummern und Mail-Adresse. Und auf keinen Fall wurde ein Spruch geschrieben. Das wäre wohl furchtbar uncool.....Naja.....

Die Einträge in meinem Poesie-Album lese ich noch gerne. Auf fein säuberlich wegradierten Linien stehen Worte, die schon einen tieferen Sinn ergeben. Und doch empfand ich einige Sprüche schon damals zu meiner Schulzeit wie aus einer anderen Welt und auch heutzutage werden wohl so einige Einträge kaum noch verstanden oder als Kitsch abgetan?

Anders als auf einem Foto sieht man im Poesie Album meist nur die Handschrift eines Menschen. Jemand der sich die Zeit nahm, um mehr oder weniger aufwendig etwas niederzuschreiben, um mir eine Freude zu machen und um sich selbst zu verewigen.
Für mich als Kind war die gezeichnete Rose meines Onkels immer das Schönste im Album. Darauf war ich stolz. Keine Seite erregte mehr Aufmerksamkeit. Der Spruch interessierte nur zweitrangig und das er von Johann Gottfried von Herder stammt, wusste ich viele Jahre nicht......

Und so ist es mit den Poesie-Alben wie mit so vielem im Leben: Alles, hat nun mal seine Zeit.

Dankbar muss man wieder mal den Sammlern sein, die Poesie-Alben lieben, fremde Alben sammeln, für die Nachwelt aufbewahren, sich daran erfreuen, nicht nur der schönen Bildchen wegen. Sie halten die Erinnerungen wach. An eine Zeit, wo insbesondere Mädchen, diese Bücher pflegten, weitergaben, in der Hoffnung auf eine schnelle Rückgabe, mit Vorfreude auf einen schönen Eintrag und manchmal einem glänzenden Stammbuchbildchen (Oblate).

Mein Poesie Album werfe ich natürlich nicht weg. Es ist ein Teil meines Lebens.
Vielleicht sollte ich es mal weitergeben, dachte ich so und um Einträge bitten. Auf die überraschten Gesichter wäre ich wirklich gespannt - in Zeiten von Facebook und Co. 😂

"Poesie ist wie ein Duft, der sich verflüchtigt und dabei in unserer Seele die Essenz der Schönheit zurück lässt."
Jean Paul
1763 - 1825
 ( deutscher Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter)

Armand Marseille

Dienstag, 19. September 2017

Das Haus meiner Kindheit und eine Gemeindeschwester Teil 2

Heute nun endlich der 2 . Teil , OH , das hat etwas länger gedauert.
Wer nochmal nachlesen möchte:    HIER     versteckt sich der 1. Teil .
* * *
Die  Gemeindeschwester unseres Dorfes war eine korrekte, gütige, stets freundliche Frau mittleren Alters.

Sie war zur Stelle bei kleineren Wehwehchen von uns Kindern, Erstversorgung von Kranken und kümmerte sich und betreute die alten Leute im Dorf, denn der Arzt wohnte im Nachbarort und kam nur in Notfällen.


Außerdem war sie an bestimmten Tagen im Gemeindezimmer zur Sprechstunde in "unserem" Haus tätig.

Wenn zum Beispiel donnerstags Mütterberatung war, standen alle Kinderwagen des Dorfes und der näheren Umgebung draußen vor "unserem Haus" in Reih und Glied. (Diesen Anblick von oben aus dem Küchenfenster werde ich niemals vergessen.)
Die Mütter waren mit ihren Babys drinnen bei der Gemeindeschwester und einem Arzt zur Mütter-Sprechstunde...

Die Gemeindeschwester trug Häubchen, Schürze und ein Kleid mit Kragen.
Nun ja, ganz so attraktiv wie meine Puppe hier, war sie dann doch nicht die Gemeindeschwester aus meinem Dorf aber ein wenig erinnert sie mich an sie.

Eine hübsche, aparte Puppe.
Gemarkt:
S & H
C. T.
8
Der Kopf dieser Puppe wurde von Simon & Halbig um 1900 hergestellt für die
Puppenfabrik Carl Trautmann in Finsterbergen/Thüringen.
 Interessanterweise erfolgte 1906 ein Umzug nach Catterfeld/Thüringen.
 Ab da hieß diese Fabrik  Catterfelder Puppenfabrik.

Quelle: Cieslik's Lexikon der deutschen Puppenindustrie






Samstag, 10. Juni 2017

Das Haus meiner Kindheit und eine Gemeindeschwester Teil 1

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen an einem großen Wald.

Um 1900 ( also laaaange vor meiner Zeit ) ließen sich viele wohlhabende Leute aus der Stadt ihre Sommer-Villen auf dem Land bauen.
Raus aus der stickigen Stadt und rein in die Sommerfrische. So hieß das Motto von damals.


Daher gab es zu dieser Zeit in dem kleinen Ort schon einen Bahnhof mit Restaurant, mehrere Gasthäuser, Pensionen, Bäcker mit Konditorei, einen Gemischtwarenladen und eben kleine und größere Sommervillen, ganz nah am Wald. Einige waren nur im Sommer bewohnt oder wurden vermietet.

Und in solch einer recht großen Sommer-Villa mit zwei hübschen
Rhododendron-Büschen


vor dem Haus, mit großem Kirsch-, Apfel- und Birnbaum im Garten habe ich Jahrzehnte später mit meinen Eltern gewohnt.
Wir hatten immer Tiere ( Kaninchen, Tauben, Gänse, Enten, Hühner und Katzen).
Manchmal kann ich es gar nicht glauben, dass ich jetzt ein Stadt-Mensch bin.


Das Haus und der Garten waren ein großer Abenteuerspielplatz für mich als Kind, wo ich meinen Träumereien nachhängen konnte.
Es gab noch zwei andere vermietete Wohnungen, ein kleines Postamt, eine winzige Bücherei und ein Gemeindezimmer und ja  - ein Plumpsklo ! für alle im Haus! (später dann nicht mehr)
Alles war in "unserer" Villa untergebracht.

Mal abgesehen davon, dass immer etwas los war, war es für mich einfach wunderbar in solch herrschaftlichem Haus groß zu werden.
Das Kellergewölbe mit drei gruseligen Regenwasser-Auffangbecken und dem kleinen Lastenaufzug............ der immer verschlossene Dachboden......und ..............der verwilderte Garten..........
Alles war für mich Geheimnis umwittert und wollte entdeckt werden.

Sommer im Garten: Ich (im hellen Kleid) mit einer Freundin.
Wir hatten uralte Kleider ihrer Oma an und auch die Schuhe!
Und sind dann so durch das Dorf marschiert und fanden es prächtig. 

Eine warme Fülle glücklicher Kindheitserinnerungen und Gefühle kommen bei mir auf, wann immer ich daran denke.


Wie treffend finde ich dieses Zitat
aus Wind, Sand und Sterne von Antoine de Saint-Exupéry (dem Schöpfer des Kleinen Prinzen)
der da schrieb:
"Oh, das Wunder des heimatlichen Hauses besteht nicht darin, 
daß es uns schützt und wärmt,
 es besteht auch nicht im Stolz des Besitzes
Seinen Wert erhält es dadurch, 
daß es in langer Zeit einen Vorrat von Beglückung aufspeichert, 
daß tief im Herz die dunkle Masse sammelt, 
aus der wie Quellen die Träume entspringen."

  ✵

Jedenfalls gab es in unserem Dorf, in der Gemeinde - auch eine Gemeindeschwester....................

Fortsetzung folgt
HIER Klicken

Freitag, 24. Juni 2016

Kindheitserinnerungen - ARI Puppenstuben Püppchen


ARI Püppchen gehören zu meiner Kindheit wie die DDR, der Kindergarten, die Brottasche um den Hals, Eislöffel aus Plastik mit Namen drauf, Halstuch und Pionierbluse.
Diese kleinen Gummipuppen waren unverwüstlich, fast unkaputtbar und für wenig Geld zu haben. Man konnte darauf herum beissen, auch schon mal Arme und Beine "entfernen" (schwierig). Viele von ihnen waren nach kurzer Zeit nur noch nackt.
Und trotzdem gab es unaufhörlich Nachschub.....überall. Sie wurden im Dorf-KONSUM verkauft genauso wie im Kiosk am Urlaubsort und natürlich in den Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser in der Stadt.

Die Puppen "lebten"überall, bei der Freundin, im Kindergarten, unbedingt im Puppenhaus, im Schulhort, in der Spielzeugkiste, in Koffern, unter dem Teppich, Bett, Schrank usw. Sie wurden verschenkt, verliehen, verloren, vergessen.

Und wie das so ist wenn es etwas im Überfluss immerzu gibt (eigentlich unglaublich in der DDR), waren diese Puppen auch ungeliebte Massenware.
Keine Ahnung wie viele die Puppenfabriken August Riedeler/ARI  in Königsee so im Jahr herstellten. Es müssen Tausende gewesen sein, ach was .......Millionen!

Und auch heute noch habe ich welche. Ich kann es selber kaum glauben und ich mag sie jetzt - etwas.

ARI Puppenstuben Puppen größtenteils in Originalkleidung.
Die vier größeren Püppchen in der untersten Reihe waren nackt, denen habe ich kurzerhand ein Filzoutfit verpasst.

***

Ari Puppen mit Zubehör noch im Originalkarton angenäht, ca. 35 cm große Puppen. Um 1970.



Immerhin eine schöne Erinnerung habe ich an die ARI Püppchen:
Denn zu jedem Kindergeburtstag gehörte im Kindergarten ein kleines Geschenk zum mit nach Hause nehmen.
Die Kindergärtnerin (Tante genannt) bastelte dann für das Geburtstagskind kleine Kartons aus Papier. Dort hinein kam ein ARI Püppchen und irgendwelche Mürbeteigplätzchen, die herrlich dufteten. Die Kekse krümelten so stark, das die Puppe -als man dann später zu Hause das Päckchen öffnete- voller Kekskrümel war. Der Keksduft haftete an der kleinen Puppe noch wochenlang.


Und immer wenn ich ähnliches Gebäck rieche, wird diese schöne Erinnerung ans Kind sein in mir geweckt.